Energielabel Schweiz: So waehlen Sie effiziente Geräte

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Das Energielabel ist Ihr wichtigstes Werkzeug beim Kauf energieeffizienter Haushaltsgeraete. Doch seit der Umstellung auf das neue Labelsystem herrscht bei vielen Konsumenten Verwirrung. Was bedeuten die neuen Klassen? Lohnt sich der Aufpreis für ein A-Geraet? Und wie viel spart man tatsaechlich gegenüber einem Geraet der Klasse C oder D? Dieser umfassende Ratgeber erklaert das Energielabel-System in der Schweiz und hilft Ihnen, beim naechsten Gerätekauf die wirtschaftlichste Entscheidung zu treffen.

Das neue Energielabel seit 2021

Seit Maerz 2021 gilt in der Schweiz das neue EU-Energielabel mit einer einfachen Skala von A bis G, wobei A die hoechste Effizienz darstellt. Das alte System mit den Klassen A+, A++ und A+++ wurde abgeschafft, da es für Konsumenten zunehmend verwirrend geworden war. Im neuen System ist die Klasse A bewusst streng definiert und wird aktuell von kaum einem Geraet erreicht. Die meisten energieeffizienten Geräte tragen die Klasse B oder C, was im alten System einem A++ oder A+++ entsprochen haette.

Das neue Label gilt bisher für Kuehlschraenke, Gefrierschraenke, Geschirrspueler, Waschmaschinen, Waeschetrockner und Fernseher sowie Monitore. Für andere Gerätekategorien wie Backofen, Dunstabzugshauben und Staubsauger gelten noch die alten Labels. Die Umstellung weiterer Kategorien ist geplant und wird schrittweise erfolgen. Beachten Sie daher beim Kauf, welches Labelsystem für die jeweilige Gerätekategorie gilt.

Was das Label veraet und was nicht

Das Energielabel zeigt neben der Effizienzklasse weitere wichtige Informationen. Der jaehrliche Energieverbrauch in kWh gibt Ihnen eine konkrete Zahl für die zu erwartenden Stromkosten. Multiplizieren Sie diesen Wert mit Ihrem Strompreis (typischerweise 27 Rappen pro kWh), und Sie kennen die jaehrlichen Betriebskosten. Zusaetzlich zeigt das Label je nach Gerätekategorie den Wasserverbrauch pro Zyklus, die Lautstaerke in Dezibel, die Kapazitaet (Fassungsvermoegen, Trommelgrösse) und weitere relevante Leistungsindikatoren.

Was das Label nicht zeigt, sind die tatsaechlichen Betriebskosten über die Lebensdauer, der Standby-Verbrauch (bei manchen Gerätekategorien), die Reparierbarkeit und Langlebigkeit des Geraets, und die Umweltbelastung bei Herstellung und Entsorgung. Für eine wirklich umfassende Kaufentscheidung sollten Sie daher neben dem Energielabel auch Testberichte, Herstellerangaben zum Standby-Verbrauch und die Garantiebedingungen beruecksichtigen.

Kuehlschraenke und Gefrierschraenke

Bei Kuehl- und Gefriergeraeten lohnt sich die Investition in hohe Effizienz besonders, da diese Geräte 24 Stunden am Tag laufen. Ein Kuehlschrank der Klasse C (neues Label) verbraucht typischerweise 100-130 kWh pro Jahr, waehrend ein Geraet der Klasse F auf 200-300 kWh kommt. Die Differenz von 100-170 kWh entspricht jaehrlichen Mehrkosten von CHF 27-46. Über die typische Lebensdauer von 12-15 Jahren summiert sich dies auf CHF 320-690 an Mehrkosten für das ineffizientere Geraet.

Der Aufpreis für ein effizienteres Geraet betraegt oft nur CHF 100-300. Bei einer Nutzungsdauer von 12-15 Jahren ist das effizientere Geraet also fast immer die wirtschaftlichere Wahl. Achten Sie zusaetzlich auf die richtige Grösse: Ein zu grosser Kuehlschrank verbraucht unnoetig Strom. Als Faustregel gilt: 60 Liter pro Person im Kuehlbereich und 30-40 Liter pro Person im Gefrierbereich.

Waschmaschinen

Moderne Waschmaschinen der besten Effizienzklassen verbrauchen pro Waschgang nur noch 0.5-0.7 kWh Strom und 40-50 Liter Wasser im Normalprogramm. Aeltere Geräte benoetigen oft das Doppelte oder Dreifache. Da rund 80% der Energie für das Aufheizen des Wassers verwendet wird, ist die Wahl der Waschtemperatur der groesste Hebel: Ein 30-Grad-Waschgang verbraucht nur etwa ein Drittel der Energie eines 60-Grad-Waschgangs. Moderne Waschmittel sind auf niedrige Temperaturen optimiert und liefern auch bei 30 Grad hervorragende Waschergebnisse für normal verschmutzte Waesche.

Bei der Wahl der Trommelgrösse sollten Sie Ihren tatsaechlichen Bedarf beruecksichtigen. Eine zu grosse Trommel, die selten voll beladen wird, verbraucht pro Kilogramm Waesche mehr Energie als eine kleinere, voll beladene Trommel. Für einen Zwei-Personen-Haushalt genuegt oft eine 6-7 kg Trommel, für Familien sind 8-9 kg sinnvoll. Maschinen mit automatischer Beladungserkennung passen Wasser und Strom automatisch an die tatsaechliche Waeschemenge an.

Geschirrspueler

Geschirrspueler haben in den letzten Jahren erhebliche Effizienzfortschritte gemacht. Ein aktuelles Modell der Klasse C verbraucht pro Spuelgang etwa 0.7-0.9 kWh Strom und 7-10 Liter Wasser im Eco-Programm. Das Eco-Programm ist dabei die wirtschaftlichste Einstellung: Es arbeitet mit niedrigerer Temperatur und laengerer Laufzeit, was insgesamt weniger Energie verbraucht als ein kuerzeres Programm mit hoeherer Temperatur.

Ein wichtiger Tipp: Nutzen Sie den Geschirrspueler immer voll beladen und im Eco-Programm. Halbvolle Spuelgaenge verschwenden Wasser und Strom. Verzichten Sie auf die Vorspuelfunktion und oeffnen Sie nach dem Spuelgang die Tuer einen Spalt breit, damit das Geschirr an der Luft trocknet, statt die energieintensive Trocknung zu nutzen. Bei einer Nutzung von 250 Spuelgaengen pro Jahr spart das Eco-Programm gegenüber dem Normalprogramm rund 50-80 kWh und CHF 14-22.

Waeschetrockner

Waeschetrockner sind die energieintensivsten Haushaltsgeraete pro Nutzungsvorgang. Ein konventioneller Ablufttrockner verbraucht 3-5 kWh pro Trockengang, ein Wärmepumpentrockner dagegen nur 1.5-2.5 kWh. Der Unterschied ist erheblich: Bei 150 Trockengaengen pro Jahr spart ein Wärmepumpentrockner 225-375 kWh und damit CHF 60-100 jaehrlich. Die beste Energiesparsmassnahme beim Trocknen ist allerdings die Waescheleine: Sie kostet nichts und verbraucht null Strom. Nutzen Sie den Trockner nur für Waesche, die wirklich maschinell getrocknet werden muss.

Geräte mit Solarstrom betreiben

Effiziente Geräte in Kombination mit einer Solaranlage sind die optimale Loesung. Wenn Ihre Waschmaschine nur 0.5 kWh pro Waschgang verbraucht und diesen Strom von Ihrer Solaranlage bezieht, waschen Sie praktisch kostenlos. Programmieren Sie energieintensive Geräte so, dass sie tagsueaber laufen, wenn Ihre Solaranlage produziert. Viele moderne Geräte bieten Timer-Funktionen, und smarte Energiemanagementsysteme koennen Geräte automatisch starten, wenn genuegend Solarstrom verfuegbar ist.

Die Kombination aus effizienten Geräten und Solarstrom maximiert Ihre Ersparnis doppelt: Erstens verbrauchen die Geräte weniger Strom, und zweitens kostet der verbrauchte Strom nichts, weil er von Ihrer Solaranlage kommt. Ein Haushalt, der konsequent auf A- bis C-Klasse-Geräte setzt und diese mit Solarstrom betreibt, kann seine jaehrlichen Gerätestromkosten von CHF 800-1200 auf unter CHF 100 senken.

Backofen, Dunstabzugshaube und weitere Geräte

Für Backoefen gilt noch das alte Labelsystem mit Klassen von A+++ bis G. Moderne Backoefen der Klasse A+ verbrauchen pro Backvorgang etwa 0.7-0.9 kWh, waehrend aeltere Modelle der Klasse B oder C auf 1.0-1.5 kWh kommen. Die Differenz von 0.3-0.6 kWh pro Backvorgang klingt gering, summiert sich aber bei 200 Backvorgaengen pro Jahr auf 60-120 kWh und CHF 16-32 jaehrlich. Achten Sie beim Kauf auch auf Umluft-Funktion und Schnellaufheizung, die beide den Energieverbrauch pro Backvorgang weiter reduzieren.

Dunstabzugshauben werden ebenfalls nach Energieeffizienz klassifiziert. Die Klasse A++ ist aktuell die beste verfuegbare Effizienz. Neben dem Stromverbrauch des Motors ist auch die Beleuchtung relevant: LED-Beleuchtung spart hier erheblich gegenüber Halogen. Staubsauger wurden mit der neuen EU-Verordnung auf maximal 900 Watt begrenzt, was den Verbrauch gegenüber aelteren 2000-Watt-Modellen um mehr als die Haelfte reduziert. Moderne Akkustaubsauger verbrauchen sogar nur 200-500 Watt und koennen problemlos mit Solarstrom geladen werden.

Die Lebenszyklus-Betrachtung: Kaufpreis vs. Betriebskosten

Die wirtschaftlichste Kaufentscheidung ergibt sich aus der Gesamtkostenbetrachtung über die Lebensdauer des Geraets. Ein Kuehlschrank der Klasse C kostet im Kauf vielleicht CHF 200 mehr als ein vergleichbares Modell der Klasse E, spart aber über 15 Jahre CHF 500-700 an Stromkosten. Der Aufpreis rechnet sich also mehr als doppelt. Bei Waschmaschinen liegt die Differenz zwischen einem effizienten und einem durchschnittlichen Modell bei CHF 300-600 über die Lebensdauer. Bei Trocknern ist der Unterschied noch grösser: Ein Wärmepumpentrockner spart gegenüber einem konventionellen Ablufttrockner über 10 Jahre CHF 600-1000 an Stromkosten.

Erstellen Sie vor jedem Gerätekauf eine einfache Berechnung: Kaufpreis plus jaehrliche Stromkosten mal erwartete Lebensdauer ergibt die Gesamtkosten. Vergleichen Sie so verschiedene Modelle, und Sie werden feststellen, dass das scheinbar teurere, effizientere Geraet fast immer die guenstigere Wahl ist. Nutzen Sie Online-Rechner wie den Energiekostenrechner des BFE (Bundesamt für Energie), um verschiedene Modelle direkt zu vergleichen. Und beruecksichtigen Sie bei der Berechnung auch steigende Strompreise: Bei einer jaehrlichen Preissteigerung von 2% werden die Betriebskostenunterschiede mit den Jahren immer grösser.

Reparieren oder Ersetzen: Wann lohnt sich ein Neukauf?

Eine haeufige Frage ist, ob sich die Reparatur eines alten Geraets noch lohnt oder ob ein Neukauf wirtschaftlicher ist. Als Faustregel gilt: Wenn die Reparaturkosten mehr als die Haelfte des Neupreises eines vergleichbaren Geraets betragen und das alte Geraet aelter als 8-10 Jahre ist, lohnt sich in der Regel der Neukauf. Der Grund: Moderne Geräte sind so viel effizienter, dass die eingesparten Stromkosten den Kaufpreis über die Restlebensdauer ausgleichen. Bei einem 15 Jahre alten Kuehlschrank der damaligen Klasse A+ ist der Austausch gegen ein aktuelles Modell der Klasse C fast immer wirtschaftlich, selbst wenn das alte Geraet noch funktioniert, da die jaehrliche Stromeinsparung von CHF 50-100 den Kaufpreis in 5-8 Jahren amortisiert.

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